„Aber Wespen sind doch auch wichtig! Ne?“

Wespen auf Rosinenstuten mit Konfitüre

Aua! Der saß! Der Schlag meines Tischnachbarn hat jedoch nicht die anvisierte Wespe getroffen, sondern meinen Arm. Wildes Rumwedeln und Schlagen, den Feind stets im Blick – er nimmt den Kampf mit jedem sich nähernden schwarzgelben Insekt auf. Ob’s hilft? Die Wespen scheint es nicht sonderlich zu stören. Und in dieses hektische Treiben an unserer sommerlichen Kaffeetafel meint unser Vierjähriger: „Aber Wespen sind doch auch wichtig! Ne?“

Die Natur respektieren

Bei diesem spontanen Ausruf schlägt mein Mutterherz höher, denn das Bewusstsein, dass jedes Lebewesen seine Berechtigung hat, ist mir wichtig. Respektvoll mit der Natur und sämtlichen Lebewesen umzugehen, sollte selbstverständlich sein. Bei jeder Gelegenheit erkläre ich unseren beiden Jungs, dass jedes noch so kleine Tier seinen Platz und seine Aufgabe in der Natur hat. Doch in diesem Moment musste ich selbst überlegen, was die Wespe Nützliches tut.

Wie nützlich sind Wespen?

Ist sie genauso wichtig, wie die Wildbiene? Bestäubt sie auch die Blüten? Bei genauerem Nachdenken fiel mir auf, dass ich ziemlich wenig über die Wespe wusste: Sie kommt etwa im August zu Vorschein, ernährt sich gerne von den süßen Dingen, die auf unserer Kaffeetafel auf der Terrasse stehen. Sie baut Nester an oft ungünstigen Plätzen. Ihre Stiche sind ziemlich schmerzhaft. Und bei Biene Maja wird sie als fieser, gefährlicher Räuber dargestellt. Aber das konnte unmöglich alles sein, was es über die Wespe zu sagen gibt. Hatte mein Sohn recht, sind diese Insekten wirklich wichtig?

Fakten über Wespen

Ich habe recherchiert und dabei erstaunliche Dinge über Wespen herausgefunden, die mir tatsächlich neu waren:

  • In unseren Breiten gibt es acht Wespenarten. Allerdings treffen wir meistens nur auf die Deutsche und die Gemeine Wespe. Die anderen Arten wollen nichts von unserem Kuchen haben.
  • Wespen sind nicht immer auf Süßes aus. Müssen sie ihre Larven mit Nahrung versorgen, brauchen sie eiweißreiches Futter. Das bedeutet, sie ernähren sich von anderen Insekten, wie beispielsweise Fliegen, Raupen oder Blattläusen, sowie von Baumschädlingen!
  • Erst ab August ändert sich das Jagdverhalten. Sie müssen nun keine Brut mehr ernähren. Jetzt steht Energiereiches auf dem Speiseplan. Dazu gehören Früchte und eben Kuchen, Eis sowie andere süße Sachen.
  • Wespen stehen unter Naturschutz. Ihre Nester dürfen deshalb nicht einfach vernichtet werden. Eine Umsiedlung durch einen Experten ist hier angezeigt.
  • Die Nester bestehen aus Papierwaben und werden in geschützten Hohlräumen angelegt. Diese können sich in Bäumen aber eben auch in oder an Häusern befinden. Die Insekten nutzen eben die Vorteile, die sie durch die Anwesenheit des Menschen haben. Das würden wir wohl im umgekehrten Fall genauso machen!
  • In einem Nest befinden sich im Herbst bis zu 4000 Wespen – eine ganze Menge, finde ich. Beim ersten Frost sterben die meisten von ihnen. Das ist nun mal der Lauf der Dinge. Nur die in diesem Jahr neu geschlüpften Königinnen überwintern und beginnen etwa im April damit, ein neues Nest zu bauen und ein neues Volk zu gründen.
  • Wespenstiche sind im Normalfall nicht gefährlich. Sie schmerzen allerdings ganz schön. Wir haben gute Erfahrungen mit einer durchgeschnittenen Zwiebel gemacht. Einfach auf die Einstichstelle legen und eine ganze Weile festhalten. Ich finde, der Schmerz lässt dann recht schnell nach.

(Quellen: Nabu-App Insektenwelt; https://www.greenpeace-magazin.de/nachrichten/warum-wespen-so-nuetzlich-wie-bienen-sind)

Ab August: draußen nichts Süßes

Soweit die wichtigsten Fakten. Fazit: Unser Vierjähriger hat recht. Diese für uns oft so nervigen Tierchen sind für die Natur also sehr wertvoll. Sie helfen, in der Natur das natürliche Gleichgewicht zu erhalten, sodass die Schädlinge nicht überhand nehmen. Und dass Wespen ab August energiereiche Nahrung benötigen, ist ihnen eben angeboren. Wir ziehen ganz klar die Konsequenz: möglichst nichts Süßes mehr im Freien essen. Dann lässt es sich ganz gut leben mit den Wespen. Zucker ist ja eh nicht so gut für uns …

Natürlich grüßt Sie

Katja Sauerborn